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“young visions” Fotoausstellung noch bis zum 8.11.2009…
Liebe Besucher,
die Fotoausstellung “young visions” ist noch jeden Sonntag ab 11.30Uhr bis zum 8.11.2009 im ‘Großen Saal’ der Bartholomäusgemeinde in Halle/S. zu sehen.
Führungen für Gruppen (z.B. Schulklassen, Konfirmandengruppen, Seniorenkreise) sind nach Vereinbarung unter 01520/6504677 anzumelden.
Wo?:
Bartholomäusgemeinde Bartholomäusberg 4 06114 Halle/S.“young visions” Foto Gallery
In dieser Galerie könnt ihr nun auch im Netz ein Auswahl an Fotos sehen. Eine größere Auswahl der insgesamt 130 Fotos erwartet Euch auf unserer Ausstellung…
Viel Spaß….
Der MAK
Young Visions
„Eure Jungen Leute sollen Visionen haben…“
Apostelgeschichte des Lukas, Kapitel 2, Vers 17
Ein Fotoprojekt des Mitarbeiterkreises der Jugendarbeit in der Bartholomäusgemeinde in Halle an der Saale.
Die Projektgruppe bestand aus sechs Jugendlichen, zwei erwachsenen Betreuern und einem Gastfotografen, der sich für unsere Idee begeisterte.
Wir haben uns in unserem Projekt die Aufgabe gestellt, biblische Erzählungen als Fotoserien in unsere Zeit zu übertragen. Jeder aus unserer Gruppe überlegte sich, welche biblische Geschichte er gerne in die Gegenwart versetzen wollte, d.h. wir hatten am Ende neun ausgewählte Geschichten. Bezeichnenderweise sind sieben davon aus dem Alten Testament – dort sind vermutlich die dramatischeren Erzählungen zu finden.
In einer Einführungsveranstaltung beschäftigten wir uns mit Kunstwerken aus verschiedenen Epochen von der Renaissance bis zum Expressionismus –, in denen biblische Themen dargestellt werden. Wir fanden dabei heraus, dass die Maler fast immer die Erzählungen in ihre jeweilige Gegenwart übertragen haben. Außerdem betrachteten wir Standfotos aus Filmklassikern, um uns mit den Grundgestaltungsmöglichkeiten des Films vertraut zu machen: Unter- oder Aufsicht, verkantete („schiefe“) Kamera, Einsatz von Schatten und Licht, …
In den wöchentlichen Treffen des Jugendkreises haben wir je eine Geschichte gelesen und analysiert: Wir wollten herausfinden, wo wir den Schwerpunkt der Geschichte sehen: bei Kain und Abel war das z.B. Neid. Beim Gleichnis von den anvertrauten Pfunden hatten wir den Gedanken, dass das Geld, das der Fürst verteilt, ein Gleichnis für die Talente sind, die ein Mensch hat.
Dann überlegten wir, in welche Lebenswelt unserer Zeit wir die Geschichte übertragen könnten. Bei Kain und Abel hatten wir zunächst den Gedanken, die beiden als Söhne eines vermögenden Rechtsanwalts darzustellen, die vom Vater unterschiedlich behandelt werden. Im Laufe der Diskussion kam aber von der Gruppe der Vorschlag, ob wir die Geschichte nicht an den Alltag einer Schule versetzen sollten. Dieses Umfeld war den Jugendlichen natürlich vertraut, und jeder – auch von uns älteren – kann sich wohl an Situationen erinnern, in denen ein Lehrer einen Schüler vorgezogen hat und einen guten auf Kosten eines schlechten Schülers gelobt hat. Aus so einer alltäglichen Situation heraus entstehen bei Kain Neid und Wut, und in einer Kurzschlussreaktion stößt er Abel die Treppe hinab. Die Bibel sagt nichts darüber, wie Kain sich während des Mordes oder danach fühlte. Wir waren in der Gruppe der Meinung, dass Kain nicht von Grund auf böse ist: In unserer Fassung erschrickt er vor dem, was er getan hat und blickt am Ende traurig auf den Platz, an dem sein toter Freund sonst saß.
Bei der Geschichte von David und Batseba machten wir aus David einen Chefarzt an einer Klinik und aus Uria einen Krankenpfleger. Darin drückt sich die gehobene Stellung Davids gegenüber Uria aus – in der Bibel ist David der König und Uria einer seiner Soldaten. Im Alten Testament steht nichts darüber, was in Batseba vorging – in unserer Fassung der Geschichte ist sie die treibende Kraft hinter dem Ehebruch und dem Mord. Auf diese Weise füllten wir eine Lücke in der Erzählung. Den Mord begeht David bei uns mittels Gift – das schien uns zu einem Mediziner zu passen, der leicht Zugang zu tödlichen Substanzen hat.
Unsere Version des Gleichnisses von den anvertrauten Pfunden handelt von drei Schneiderinnen, deren Abschlussprüfung kurz bevor steht. Zwei von ihnen machen sich gleich an die Arbeit, die dritte aber liest unbeeindruckt in Zeitschriften – bis das böse Erwachen kommt.
Wir haben dann jede Geschichte in ca. 12 Szenen eingeteilt, d.h. wir mussten der Geschichte eine Struktur geben. In der Regel haben wir zunächst den Schauplatz eingeführt: die Schule, das Krankenhaus, … Die Hauptpersonen wurden vorgestellt: Kain und Abel sind am Anfang noch Freunde. Oft deutet sich schon zu Beginn der Geschichte der weitere Verlauf an: Batseba begrüßt ihren Mann Uria, flirtete aber noch während der Umarmung heimlich mit Dr. David…Wir mussten überlegen, welche Szenen für die Handlung wichtig sind, wir mussten entschieden, in welcher Größe die Personen dargestellt werden sollen und aus welcher Kameraperspektive. Dabei überlegte wir uns stets: was soll ausgedrückt werden? Für Kains Erschrecken über den Mord wählten wir etwa eine Großaufnahme. Für die Szene, in der der Lehrer Abel lobt und Kain beschämt, wählten wir eine schiefe Perspektive: Kains Welt ist aus den Fugen geraten.
Schließlich machten wir uns daran, die Geschichten umzusetzen. Da wir kein Geld zur Verfügung hatten, behalfen wir uns bei Kostümen und Requisiten mit dem, was wir hatten und in der Gemeinde vorfanden. Schnell wurde deutlich, dass die Umsetzung sehr aufwändig war und wir an einem Tag höchstens zwei Geschichten gestalten konnten. Wenn es auch sehr anstrengend war, so hatten wir doch gerade in dieser Phase viel Spaß. Die Jugendlichen zeigten großes schauspielerisches Talent, und schnell wurde deutlich: Besonderen Spaß hatten die, die die bösen Rollen spielten…
Der MAK
Wie im Paradies!
Wie im Paradies!
Der Mitarbeiterkreis (MAK) hat sich an dem Wettbewerb „Visionen für Regionen“ beteiligt, in dem Jugendgruppen dazu eingeladen wurden, kreativ etwas zu erarbeiten zu der Frage: „Was möchten wir an unserer Region verändern?“. Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin van der Leyen und wird unter anderem von der aej (Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend) durchgeführt. Mitglied der Jury war auch unser Landesbischof Axel Noack. Wir entschlossen uns, einen Film zu drehen und machten uns an einem – sehr sehr kalten – Novembersonntag nach dem Gottesdienst auf den Weg, um die schönen und die hässlichen Seiten von Halle zu filmen. Unser Weg führte uns über Friedhöfe und Abbruchgelände am Gefängnis „Roter Ochse“ vorbei bis in die fotogene Betonwüste Neustadts mit seinem malerischen Bahnhof. Wir fragten Menschen, was sie an Halle verändern möchten und bekamen sehr unterschiedliche Antworten. Wir wählten aus der Weltliteratur einige Texte aus, die stimmungsmäßig zu den Bildern passten und unterlegten den fertigen Film damit. Neben dem unbekannten Psalmisten sind dabei: der unsterbliche Shakespeare, die Expressionisten Else Lasker-Schüler und Georg Trakl, der unverzichtbare Rainer Maria Rilke und der sonst vor allem als Jugendautor bekannte Michael Ende. Unsere Vision zielt vor allem auf die Menschen selbst: In ihnen soll sich etwas verändern.
Wir hatten alle die Gewissheit, an etwas sehr Schönem zu arbeiten und freuten uns umso mehr, als wir erfuhren, dass wir zu den zehn Gewinnern des Wettbewerbs gehören! Am 27.03. fuhren wir nach Berlin, um den Preis entgegenzunehmen. In der Stadtmission wurden wir mit dem neunten Platz geehrt; Professor Olk von der Martin-Luther-Universität hielt eine sehr schöne Lobrede auf unseren Film, der nun auch auf der Website der Gemeinde zu sehen ist. Jetzt kann sich jeder Interessierte überzeugen, ob es in Halle so ist, wie es der Titel unseres Films verspricht: „Wie im Paradies“!
Stefan Fratte
[Link]: 10 besten Wettbewerbsbeiträge für den Ideenwettbewerb “Visionen für Regionen” 2008 / 2009